Höhe und Tiefe in Griechenland

Auf meiner großen Trampingtour durch Osteuropa stand an vorletzter Stelle der Länderliste Griechenland. Im Vorhinein hieß es öfter, dass die Griechen nicht so tramperfreundlich seien. Das kann ich nicht bestätigen, denn wir hatten keine Probleme voranzukommen. Unser erster Stop über mehrere Tage ist Thessaloniki. Erst einmal ist alles sehr groß und überfüllt. Nach ein paar Wochen, überwiegend in der Natur und kleineren Orten im Balkan, kann dies ziemlich überfordernd sein. Zudem ist es brütend heiß und unsere Rucksäcke scheinen auf einmal viel schwerer. Glücklicherweise finden wir unseren Couchsurfinghost am vereinbarten Treffpunkt direkt und kommen nach einem längeren Fußmarsch an, wo wir ankommen wollten. Genaugenommen ist es ein leerstehendes Gebäude, welches zum Universitätsgelände gehört. Hier haben sich eine Gruppe junger, alternativer Leute eine Etage ganz nach ihren Wünschen eingerichtet. Da sitzen Menschen auf dem Balkon und spielen Backgammon, während andere einen Salat zubereiten und Pasta kochen. Jemand steht vor einer Staffelei und malt, von irgendwoher kommt Musik, die der Computer dirigiert. Wir lassen uns in eines der vielen Sofas fallen und fühlen uns pudelwohl.

Thessaloniki bleibt voll in den darauffolgenden Tagen und am entspannendsten sind die Sonnenuntergänge am Hafen. Als zweitgrößte Stadt Griechenlands ist sie ebenfalls ein Touristenmagnet. Das mag wohl auch an den sehr geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten liegen, die unter anderem Bauwerke aus frühchristlicher Zeit sind und zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.
Am aufregendsten für mich ist allerdings etwas ganz anderes. Thessaloniki ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Zugfahrt nach Kalampaka. Dort lässt sich etwas magisches entdecken: Meteora! Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, lässt sich schwer vorstellen, dass es wirklich existiert. Meteora beschreibt etwas, das „in Höhen liegt“ und meint damit die beeindruckenden Klöster, welche auf Sandsteinfelsen thronend den Himmel aufbrechen. Von den insgesamt 24 Bauwerken sind heute nur noch wenige bewohnt und es lohnt sich, jedes einzelne begehbare Kloster zu besichtigen. An diesem Punkt meiner Reise fühlt es sich ein wenig so an als wäre Meteora das einzige Ziel gewesen. Ein weiterer Schatz in meiner Kiste aus Erinnerungen und Gänsehautmomenten.

Wieder zurück in Thessaloniki strecken wir unsere Daumen den vorbeifahrenden Autos entgegen, um uns nach ein paar Stunden in Kavala von der Fähre auf die Insel Thasos tragen zu lassen. Hier angekommen befinden wir uns in einem kleinen Paradies, das uns genug Orte zum Campieren am Meer bietet. Zu den Tagen auf der Insel gehören überwiegend köstliche Meze, nackte Füße voller Sand, lange Spaziergänge, laue Nächte und kristallblaues Wasser.

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