Alleine in Indien

Indien! Neu Delhi! Ladakh! Rishikesh! Agra! Alles mit Ausrufezeichen. Denn Indien fühlt sich buchstäblich an wie eines. Jedes Bild, jedes Geräusch ist extra intensiv. Extra laut! Extra bunt! Vor allem ist es eine Erfahrung und eine gute Idee sich (abhängig von der Zeit, die man zum Reisen hat) für eine der vier Himmelsrichtungen zu entscheiden, bevor man sich in dieses große Land schmeißt. Bevor ich in Neu Delhi gelandet bin, wusste ich allerdings schon: Der Norden soll es sein. Ein Jahr zuvor hörte ich das erste Mal von Ladakh und die Bilder, die man im Internet findet, ließen mich nicht mehr los. Diese atemberaubende Landschaft wollte ich selbst vor der Linse haben. Neben all der Vorfreude auf die Reise musste ich mich allerdings auch vielen Bedenken seitens von Familie und Freunden stellen. Negative Nachrichten in der Vergangenheit prägen das Bild und da ich alleine nach Indien reisen wollte, waren die Sorgen doppelt so groß. Da dies allerdings auch oft der Fall war bevor ich in andere Länder gereist bin, weiß ich mittlerweile wie damit umzugehen ist.

Alleine unterwegs in Indien

Lange Rede, kurzer Sinn: Einen Monat habe ich in Indien verbracht und mich zu keinem Zeitpunkt bedroht oder in Gefahr gefühlt. Dafür bleibt auch erst einmal keine Zeit, denn es nimmt viel Konzentration und Energie in Anspruch sich zu orientieren und mit der hohen Luftfeuchtigkeit umzugehen. Jahre zuvor war ich ein paar Monate in Südostasien unterwegs und erinnerte mich wieder daran wie sehr ich es mochte in TukTuks zu sitzen und den verrückten Verkehr an mir vorbeiziehen zu sehen. In Indien kommt es mir vor, als grenze es an ein Wunder, dass ich nicht mehrere Male aus einem dieser wackeligen Gefährten falle. Wenn man mal wieder mitten in der Horde von Autos, TukTuks und Motorrädern steckenbleibt, trifft man den Blick vieler Augenpaare und dabei steht man so dicht beieinander, dass man sich an den Händen fassen könnte.

Ladakh, Indien

Nach ein paar Tagen in der großen Stadt lande ich dann endlich in Ladakh. Monate zuvor fand ich eine Gruppe bei Couchsurfing, die sich „Ladakh the Moonland“ nennt. Als ich umringt von Bergen meinen Blick gegen Himmel richte, muss ich genau daran denken und habe intuitiv das Gefühl, dass dieser Name passt. Dabei geht es weniger um die Ähnlichkeit der Landschaft mit dem Mond, als vielmehr darum, dass es sich anfühlt als sei man auf einem anderen Planeten. Bergspitzen, die wie ausgeschnitten und in den Himmel eingefügt aussehen, scheinen, trotz ihrer Gewaltigkeit und Höhe, nur eine Armlänge entfernt. Gesichter mit von der Sonne gegerbter Haut blicken mir freundlich entgegen. „Hier bin ich richtig“, denke ich mir und fühle es auch. Dennoch gilt für mich: Zwei Tage ausruhen und es langsam angehen lassen. Leh liegt auf einer Höhe von 3500m und um sich zu akklimatisieren sollte man es am Anfang nicht übertreiben, da das Risiko höhenkrank zu werden hoch ist. Kopfschmerzen, leichter Schwindel und ein generelles Schwächegefühl überfallen mich und für zwei Tage verbringe ich viel Zeit im Bett, mit Blick auf die Berge umringt von einem überwiegend blauen Himmel.

Leh, Indien

Hier in Leh habe ich zwei Ziele. Ich möchte Menschen anschauen, versuchen nach Gesprächen und dem persönlichen Einverständnis Fotos von ihnen zu schießen. Dazu möchte ich in die Natur, in die Berge und mich in einem wunderschönen Nirgendwo verlieren. Ladakh ist noch sehr ursprünglich, was der Tatsache geschuldet ist, dass es erst seit knapp 35 Jahren wirklich möglich ist diesen Teil der Erde zu bereisen. Auch weiterhin sind viele Orte in Ladakh Besuchern versperrt. Die Stadt Leh hat sich mittlerweile zu einem sehr viel bereisten Ort entwickelt und somit findet man hier viele kleine, sehr nette Café´s und sogenannte „German Bakery´s“. Gasthäuser, Hostels und Tourenbieter reihen sich dicht an dicht nebeneinander und bieten mehr oder weniger den selben Standard. Wer kein Auto oder Motorrad mieten kann oder möchte, hat die Möglichkeit Touren zu buchen und mit einer kleinen Gruppe die märchenhafte Landschaft Ladakhs, Jammu und Kashmirs zu entdecken. Darunter finden sich Touren durch das Nubra Valley über den höchsten befahrbaren Pass den es weltweit gibt dieser – befindet sich auf einer Höhe von 5602m. Zusätzlich gibt es Touren zu den spektakulären Salzseen Pangong Tso und Tso Moriri. Unabhängig von diesen Naturschauspielen gehören zu den absoluten Highlights die meisterhaft gebauten Klöster im Umland. Wer Ruhe und Natur sucht, ist in diesem Teil der Erde genau richtig.

 

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