Alternatives Budapest

Nachdem ich in vorherigen Beiträgen über meine Reisen nach Georgien, Armenien und in den Iran bereits berichtet habe, hier nun der Artikel Alternatives Budapest, über die Stadt, die meine erste Station auf dieser Reise werden sollte.

Meinen Weg von Berlin nach Budapest könnte man fast als romantisch bezeichnen, denn ich entschied mich dazu mit dem Zug geradewegs in die ungarische Hauptstadt zu fahren. So manch einer könnte dies als anstrengend empfinden, doch ich liebe es. Zugfahren ist für mich wie der Musik eines Schallplattenspielers zu lauschen oder mit einem Füllfederhalter einen langen Brief zu verfassen. Das Geräusch einer alten Bahn, die sich gemächlich ihren Weg über Schienen bereitet, hat etwas Nostalgisches und wenn ich dabei aus dem Fenster schaue transformiert sich das Phänomen Zeit zu einer eigenartig gleichmutigen Stille, ohne jede Hast.

Irgendwann komme ich dann allerdings an und bestaune sogleich die in der Nacht versinkende Bahnhofshalle, ihre hohen nach außen gewölbten Kuppeln und die aus weißem Stein in Form und Schnörkeln gehauenen Statuen. Hier begegnete ich dem Jugendstil das erste Mal in Budapest und werde es die darauffolgenden Tage noch unzählige Male tun, denn Budapest ist eine wunderschöne Aneinanderreihung von Jugendstilbauten.

Mitten durch die Stadt fließt die uns altbekannte Donau, an welcher man gemütlich sitzen kann, entweder um sich den weiten Blick über das Wasser zu gönnen oder aber um ein Glas Wein mit seinen Freunden zu genießen. Vor allem die Sonnenuntergänge sind mit Blick auf das Parlamentsgebäude exquisit. Ähnlich wie der Bosporus Istanbul in zwei Teile teilt, macht dies auch die Donau mit Budapest. Das Ergebnis sind „Buda“ und „Pest“ und jedes dieser beiden Teile hat etwas anderes zu bieten.

Manchen wird gängig sein, dass Budapest bekannt ist für seine Badekultur. Es gibt prunkvolle Badehäuser mit Becken aus heilendem Thermalwasser. Es ist nichts Außergewöhnliches, jeden Tag ein anderes Bad zu besuchen und sich danach wie neu geboren zu fühlen.

Durch die zahlreichen traditionellen sowie modernen Cafés wirkt Budapest sehr gemütlich. Es treffen sich Menschen, die gediegen ihre Zeitung lesen oder einfach ihr warmes Getränk genießen.

Doch wie immer mache ich mich gerne auf, die alternativen Pfade zu begehen und entdecke nur zu gern Subkulturen, die sich ihre Nischen in jeder Stadt suchen. Beim Recherchieren stoße ich also auf die in der Stadt verteilten Bunker, welche noch aus der ungarischen Zeit des Stalinismus stammen. Einige von diesen sind beeindruckend in ihrer Konstruktion und so manch einer würde überrascht sein, was sich da teilweise alles so metertief unter den asphaltierten Straßen verbirgt. Nachdem ich mich in die Geschichte der Bunker eingelesen habe, stoße ich wiederum auf einen Ort, der mich neugierig macht: Szimpla Kert. Eine Bar in einer Ruine.

In Budapest gibt es über diesen Ort hinaus auch noch andere Bars und Clubs, die sich vornehmlich in Ruinen einquartieren. Sie geben der Stadt einen unvergleichlichen „Underground Charme“.

Szimpla Kert jedoch ist ein Fund, als ich dann endlich dort ankomme, welcher direkt auf meiner Liste der liebsten Orte wandert. Es ist einfach bunt, kreativ, ganz nach dem Motto „aus alt mach neu“ und neben seltsamen Gegenständen, die hier von Decken und an den Wanden hängen, befinden sich auch ein paar seltsam aussehende Personen, was die ganze Sache noch spannender macht. In vielen Winkeln des in deutsch übersetzt „simplen Gartens“ befinden sich Vintage Sessel, Sofas, Kisten etc. und man kann sich beliebig hinsetzen wo man möchte, etwas zu essen oder zu trinken bestellen und eifrig Fotos schießen. Wer mag, geht einfach nur auf Erkundungstour, steigt hier und da eine der Treppen hinauf, erhascht einen anderen Blickwinkel auf das Gesamtbild diesen extraordinären Ortes.

Unser Budapest Tipp:

Szimpla Kert liegt im ehemaligen jüdischen Viertel und die Straße in welcher es sich befindet, ist ebenfalls charmant und beherbergt noch andere gemütlich aussehende Cafés und Kneipen. Jeden Sonntag findet der „Szimpla Sunday Farmers’ Market“ statt und macht Platz für Bauern aus dem In- und Umland, die eifrig Gemüse, Obst und vor allem Käse und Wurst ungarischer Art zum probieren und kaufen anbieten. Ich liebe es einfach und verpasse nicht zu probieren, was mir schmackhaft und interessant erscheint.

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