Blicke in Kambodscha

Als wir in Kambodscha ankommen ist es als würden wir in die Filmkulisse eines alten Westernfilms fahren. Staubiger, roter Sand zaubert einen Schleier um die mit dem Fahrrad umherfahrenden Schulkinder. Das Gefährt in welchem wir sitzen ähnelt einer Kutsche ohne Pferd, stattdessen ein Mann auf einem Mofa. Eine große, lange Straße führt an unzähligen Hotels vorbei mitten ins Herz von Siem Reap. Die Menschen sind versunken in ihren Arbeiten und sitzen am Straßenrand, dösen, rauchen und essen. Etwas ist anders hier. Alles wirkt kleiner, niedriger, weitläufiger, verletzlicher und gebrechlicher. Die vielen Kinder und ihre Armut sind nicht zu übersehen, ihre Not nicht zu überhören und ihr Leid nicht zu erfassen. Immer wieder, für kurze Momente erhascht man einen unverstellten Blick – Einen, den man nicht mehr vergessen kann. Kleine, vom Staub und Dreck geschwärzte Füße, die sich tief in das Leben der Straße graben und Tag für Tag sich selbst und vielleicht noch ein Geschwisterchen umhertragen. Sie geben unaufhörlich nur drei Worte von sich: “One Dollar, please!” Das ist der Job.

Drahtzieher ist die Geschichte, die Kambodscha auf seinen Schultern trägt. So ist der Aufenthalt in Kambodscha mehr eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewissen und der Haltung gegenüber der Konsumgesellschaft und deren Folgen. Was bleibt, sind kleine Kinder, die mit den Bäumen verwachsen zu sein scheinen. Kleine Mädchen, welche auf Steinen in einem Bach hocken und Frösche fangen, in das Wasser starren, sich gegenseitig auf viel zu großen Fahrrädern von einem Ort zum anderen fahren und mit ihren kurzen Beinen nicht mal den Sattel erreichen. Kinder, die in Pfützen springen, sich wälzen und miteinander spielen, angeln und Kühe vorantreiben. Ebenso begegnen einem Menschen, welche während der staatlichen Herrschaft der roten Khmer, im Krieg ihre Beine und/oder Arme verloren haben oder danach auf eine der unzähligen Mienen getreten sind. Zum Rollstuhl dient ein Gartenstuhl aus Plastik welcher provisorisch mit Schnüren an einer Art Fahrgestell befestigt wurde. Es ist eindrücklich, bewegend und authentisch.

In jedem zweiten Titel eines Hotels oder Restaurants taucht irgendwo das Wort Angkor auf. Es ist nicht möglich zu vergessen, weshalb so viele Menschen nach Siem Reap fahren. Nach einer mehrtägigen Tour von Tempel zu Tempel behält man Momente in Erinnerung, welche vor allem das Verschmelzen von Natur und von Hand Erbautes aufzeigen. Surreale Bilder, die der Realität entspringen. Die Wege von Tempel zu Tempel haben ihren ganz besonderen Reiz. Unaufdringlich und wie ein heimlicher Beobachter erfährt man kambodschanisches Leben und gewinnt einen kleinen Eindruck von dem ganz normalen Alltag. Sei es die Geburt eines Kalbs, an welcher jedes Familienmitglied von klein bis groß seine eigene Aufgabe zu haben scheint, oder das Haareschneiden des Nachbarn. Kleine Hütten auf Stelzen, von Palmen gesäumt, sind das zu Hause vieler Familien. Diese Bilder bahnen sich ihren Weg ins Gedächtnis und bilden dort den Gesamteindruck von Kambodscha. Ein bleibender Eindruck von dem man immer wieder erzählen möchte.

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