Eine Reise in den Iran

In den Iran zu reisen bedeutete für mich nicht nur mir einen großen Wunsch zu erfüllen, sondern auch mich gegen all das aufzulehnen was uns Tag für Tag in der Zeitung, im Fernsehen oder aus anderen medialen Quellen entgegenspringt. Die Angst, die Ablehnung, der Zweifel machen langfristig blind für die Menschen, die in Ländern leben von welchen wir meist nur Negatives zu hören bekommen. Ich war neugierig auf die Menschen, die sich tagtäglich in einem Land unter einer Regierung behaupten müssen welche so vieles, was für uns Alltag bedeutet, einschränkt, dabei dennoch Wege und Mittel finden sich individuell zu entwickeln, Kunst und Genuss zu erschaffen. Auf meinen Streifzügen durch Bücher und diverse Foren im Internet fand ich ausschließlich schwärmende Töne über das Reisen im Iran. Ganz groß geschrieben: die Gastfreundlichkeit!

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Nichtsdestotrotz war ich sehr aufgeregt, als ich nach einer ganzen Weile des Wartens auf mein Visum, endlich am Bus in Jerewan stand um geradewegs nach Teheran zu fahren. Ich versuchte mir bewusst zu machen, dass in ein paar Stunden alles anders sein würde. Oberste Regel: Kopftuch. Um ehrlich zu sein störte mich der Gedanke nicht im Geringsten. Der Zwang dahinter ist natürlich ein ganz anderes Thema.

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Schon im Reisebus stieß ich auf allgemeine Neugier meiner Person gegenüber und nach gar nicht allzu langer Zeit war ich bereits von einer Familie adoptiert worden. Das fröhliche Schnalzen aller Zungen beim Knacken der Sonnenblumenkerne inklusive. Nach 12 Stunden im Bus erblicke ich irgendwann schlaftrunken den Borj-e Milad Fernsehturm in der Ferne und weiß: Ich bin da!

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Im Iran wurde ich mit offenen Armen empfangen. Die darauffolgenden Tage waren erfüllt von trockener Hitze, dem ungewohnten Gefühl einen Schal um mein Haar zu tragen, die Gerüche verschiedener Gewürze und getrockneter Blumen, Reis mit Rosinen und literweise Dugh (kohlensäurehaltiges Joghurtgetränk mit verschiedenen Kräutern verfeinert), sowie mit dem lautstarken Verkehr in Teheran. An jeder Ecke meint man sich in wunderschön ineinanderlaufende Mosaiken zu verlieren. Ornamente auf Fliesen und Häusern machen die ganz besondere Magie des Landes aus. Der Spaziergang durch den Golestanpalast fühlt sich an als hätte ich ein dickes, schweres Märchenbuch in der Hand, dessen Seiten ich mit Bedacht umblättere.

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Auf meiner Reise durch Georgien lernte ich jemanden kennen, der zur selben Zeit meiner Iranreise seine Familie in Shiraz besuchte und mich zu sich und seiner Familie einlud. Das war so ziemlich das Beste was mir passieren konnte. Inmitten einer iranischen Familie lernte ich einen Alltag kennen der für mich ein kleines Abenteuer war. Die Kochkünste meiner Gastmutter sind unvergleichlich und die Tage im Garten Granatäpfel schlürfend waren genauso einmalig. Neben all den märchenhaft aussehenden Moscheen und Bauwerken verwöhnt der Iran mit Meer, Wüste, Bergen und Wäldern. Sowie die Natur ihre Vorzüge je nach Himmelsrichtung ändert, so ändert sich auch der Geschmack des Irans. Im Süden liebt man es sauer und man wird überrascht davon sein wie viele Arten des sauren Geschmacks einem über die Zunge laufen.

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