Eine Busfahrt nach Kopenhagen

Als ich meine Busfahrt nach Kopenhagen buche bin ich in Gedanken schon früh morgens auf der Fähre und blicke der unendlichen Weite des Meeres entgegen. In seiner augenscheinlichen Einfachheit so überwältigend. Das ist Meer für mich. Als der Moment gekommen ist, teile ich mir den Ausblick mit einer älteren Dame, die aus Moskau kommt und mich nach einer Zigarette fragt. Drehtabak! Den hab ich und teile ihn gerne mit meiner russischen Weggefährtin.

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Auf dem Festland kommen mir gefühlt mehr Fahrräder als Menschen entgegen. Das ist Kopenhagen und Dänemark ganz generell: Fahrradfreundlich! Kleine Häuser in niedlichen Formationen reihen sich am Wasser auf. Hausboote schaukeln gemächlich vor sich hin und beherbergen in liebevollem Ambiente ihre Bewohner. Frische Wäsche wirft wellenförmige Schatten auf das Wasser und ich fühle mich: zu Hause!

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Ankunft in Kopenhagen

Hier in Kopenhagen wartet vor allem einer auf mich: Ein lieber Freund! Allerdings merke ich schnell das neben ihm noch vieles andere auf mich gewartet hat:
Zum Beispiel die Halle Papirøen randgefüllt mit Köstlichkeiten, die man Beine baumelnd mit Sonnenbrille auf der Nase am Wasser verzehren kann. Oder aber der neue Hafen Nyhavn. Unschwer als eine der Touristenmeilen Kopenhagens zu erkennen, allerdings so ganz ohne den bitteren Beigeschmack einer überfüllten Fußgängerzone. So friedlich und bunt wie die Häuser und Boote, so harmonisch und entspannt die Passanten bei Bier und Lachs. Dicke Seile, verknotet und durchnässt legen große Schiffe an ihre Leine und verleihen der ganzen Stadt diese angenehm maritime Atmosphäre. Wie schön das die Sonne scheint in diesen Tagen, denn Sonnenschein steht der Stadt besonders gut.

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Wer Kopenhagen hört oder denkt wird auf kurz oder lang bei der Freistadt Christiania landen und andersherum. Dieses autonome Fleckchen dänische Erde hat sich mit den Jahren zu einer Touristenattraktion entwickelt und lockt nicht nur mit freiheitsliebender Parole … Ähnlich wie bei einem Film oder einer Platte hat Christiania eine Art Intro, ein Eingang der bunt und an eine Kirmes erinnernd kleine Menschengruppen vereint. Hier kann man fröhlich trinken und essen und mehr. Bei einer orangenschimmernden Sonne am frühen Abend lässt es sich allerdings noch viel schöner Zeit in Christiania verbringen: Bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die halb bewaldete Gegend, die immer wieder kleine, individuell gestaltete Wohnoasen preisgibt und den Charme des Ortes verkörpert. Hier wurden Geheimnisse geboren, Pläne geschmiedet, revolutionäre Gedanken ausgebrütet und sicherlich auch der ein oder andere Fluch ausgestoßen.

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Wenn ich Kopenhagen und Berlin nebeneinander stelle und sie mir beide als heranwachsende Jungen vorstellen müsste dann taucht in mir das Bild einer Lehrerin auf, die ihre Schüler tadelt. Da ist Berlin, ein bisschen schräg, ungepflegt, vorlaut und ärgerlicherweise mit soviel Charme ausgestattet, dass ein Tadel immer mit einem Schmunzeln einhergeht. Und da ist Kopenhagen, geradlinig, aufmerksam, frisch gewaschene Kleidung, ein Buch in der Hand und immer eine innovative Idee im Schlepptau. Wenn ich es mir genau überlege gibt es da nichts zu tadeln. Ich mag beide.

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