Farbenfroh: Murano, Torcello und Burano

In der Woche, die ich in Venedig verbringe, bleibt auch ein Tag um die drei umliegenden Inseln in der Lagune Venedigs, Murano, Torcello und Burano zu erkunden. Wobei ich in diesem Beitrag gerne ausführlicher über Burano berichten möchte.

Murano ist besonders bekannt für das Murano Glas, das weltweit verfügbar und auf der Insel in allen Farben und Formen präsent ist. Die Straßen sind gepflastert mit Läden, die sich auf das Murano Glas spezialisiert haben und herkömmliche Produkte wie Schmuck, Geschirr und Lampen verkaufen. Es gibt jedoch auch eher abstraktere Varianten der Verarbeitung. Wer sich ganz besonders dafür interessiert hat dort die Möglichkeit z.B. eine Glasbläserei zu besichtigen.

Auf Torcello ist alles etwas ruhiger. Sobald man vom Boot auf die Insel hüpft ist es, als würde man sich in einem großen verwilderten Garten wiederfinden. Hier zirpen die Grillen gefühlt ein paar Oktaven höher und ich stelle mir vor, dass ein früher Abend dieser Insel ganz besonders gut steht. Der Grund für Reisende auf Torcello zu spazieren ist allerdings die erste Kathedrale Venedigs, die sich hier besichtigen lässt. Als ich dort ankomme, mache ich erst einmal Rast und esse etwas von meinem Picknick, das ich mir mitgebracht habe. Die hohe Wiese lädt dazu ein, sich in den Schatten zu legen und ein paar große Schlucke von dem kalten Wasser zu trinken, das aus dem Brunnen kommt. Zu meinem Vergnügen sitzt nicht weit von mir eine ältere Dame, die es sich auf einem Hocker gemütlich gemacht hat und mit aller Ruhe die Kathedrale vor ihr skizziert. Ein Blechkasten mit Kreide in verschiedenen Farben liegt aufgeklappt in der Wiese. Kurz überlege ich, ob ich sie um Erlaubnis bitte ein Portrait von ihr und ihrer Arbeit schießen zu dürfen, doch dann belasse ich es dabei und störe sie lieber nicht.

Meine letzte Station ist die Insel Burano. Dort nehme ich mir etwas mehr Zeit. Von den Fotos, die ich vorher schon gesehen hatte, wusste ich, dass dies ein Ort ist an dem ich nicht nur gerne mit meiner Kamera auf Entdeckungstour gehen möchte, sondern auch abseits von Touristenpfaden das alltägliche Leben ein wenig beobachten.

Die bunten Häuser auf Burano

Wie die beiden anderen Inseln ist auch Burano für etwas bekannt – die Spitzenstickerei, die auch hier unübersehbar im Vordergrund steht. Jedoch gibt es noch ein anderes Detail, das Burano unverkennbar macht: Die bunten Häuser. Schon aus der Ferne, wenn man mit dem Boot Richtung Anlegestelle schippert, leuchten im Sonnenschein kleine Häuser in kräftigen und bunten Farben auf. Wirklich jedes Haus trägt seine ganz eigene Robe und schmeißt sich je nach Farbton mit verschiedenen Accessoires in Schale. Ich entdecke ein grünes Haus, welches passend dazu auf jeder Fensterbank eine Sammlung an Kakteen präsentiert. Darüber hinaus wehen Vorhänge in einem hellen Grün durch die offenen Fenster. Dies soll eines meiner Liebsten werden.

Pinke, blaue, gelbe, grüne, orange Häuser überall

Vor jeder Tür hängt eine Art Vorhang. Jeder davon passt ausnahmslos zu dem restlichen Erscheinungsbild eines jeden Hauses. Ich bin mir nicht sicher, ob die Vorhänge dazu da sind die Hitze etwas besser fernzuhalten, die Freiheit zu haben die Türe offen stehen zu lassen ohne dass dabei jeder hinein starren kann oder ob es einfach ein bestimmter Style ist, den man hier so pflegt.

Durch das Innere der Insel zu laufen bedeutet entweder auf der „Hauptstraße“ zu bleiben oder aber durch die winzigen Gassen hineinzulaufen in die Wohnsiedlung. Hier ist es natürlich angebracht mit der Kamera ein wenig zurückhaltender zu sein. Zumindest wenn die Bewohner der Häuser mit ihren alltäglichen Arbeiten rund um ihr Haus beschäftigt sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere relativ unglücklich ist über die Tatsache auf gefühlt 2000 Fotos abgebildet zu sein. Ich erhasche kurze Momente. Z.B. ein paar ältere Damen, die gemeinsam auf Plastikstühlen sitzend Kartoffeln schälen und einen älteren Herren, der frischen Fisch von Schuppen befreit. Das sind die Momente, die ich am meisten liebe. In diesen fühlt sich alles irgendwie wie zu Hause an und mir wird bewusst, wie gleich wir trotz Unterschiede doch alle sind.

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