Flanieren durch Venedig

Venedig gehört zu den Städten die schon fast jeder besucht hat. Bis vor ein paar Wochen kannte ich Venedig nur von Fotos und aus Reportagen. Zuletzt schaute ich mir ein Video an, welches erklärt, wie dort eigentlich alles so funktioniert, wie regelmäßig der Wasserspiegel steigt und sich dann wieder senkt. Doch vor allem war von einem „langsamen Zerfall“ die Rede. „Venedig wird untergehen“, so hieß es. Jedoch wird eifrig daran gearbeitet, dies zu verhindern und ich hoffe sehr, Venedig bleibt Italien erhalten, denn dieser Flecken Erde ist ganz einfach wunderhübsch.

Bevor ich jedoch losgefahren bin (mal wieder durch die Nacht hindurch), habe ich eifrig versucht einen Couchsurfinghost zu finden und was soll ich sagen: Diesmal ohne Erfolg – leider! Insgeheim hatte ich schon davon geträumt, eine tolle Couchsurfing-Bekanntschaft auf meiner Liste hinzu zu fügen, am besten mit Boot. Daraus wurde leider nichts, jedoch habe ich dann zu meinem Glück einen Campingplatz gefunden, der nur zehn Busminuten von der Innenstadt Venedigs entfernt liegt und im Vergleich zu anderen Beherbergungsmöglichkeiten ein absolutes Schnäppchen ist. So kam es also, dass ich für ganze fünf Nächte in einem Bett, welches in einem Zwei-Personen Zelt steht, verbracht habe.

Nach einem Kaffee und einem Brioche (Croissant mit Aprikosenmarmelade gefüllt) steige ich morgens in den Bus und fahre rein in die Stadt der Wasserstraßen um mich von den Touristenmassen treiben zu lassen, solange bis ich eine kleine, verlassene Gasse finde, in welcher ich mich ganz alleine und in meinem eigenen Tempo verlieren kann. Mit dem Kopf im Nacken schaue ich hinauf zu Fensterbänken, voll gestellt mit blühenden Pflanzen und Kräutern, Leinen voller frisch gewaschener Wäsche und hier und da ein Gesicht, welches zu mir herunter schaut. Nicht zum ersten Mal frage ich mich wie es wohl sein muss an einem Ort zu leben, welcher so überlaufen ist von Touristen. An jeder Ecke schaut man automatisch in eine andere Kameralinse und zu meinem Erstaunen drücke ich diesmal nicht so oft auf den Auslöser, als ich es eigentlich von mir gewohnt bin. Statt dessen stehe ich auf den vielen Brücken und schaue gemächlich auf den Kanal unter mir und die darauf vorbei schippernden Boote und Gondeln.

Neben den tollen und vor allem alten Häusern an welchen oftmals die Wände große Stücke des inneren Mauerwerks freilegen, geht von Venedig eine ganz besondere Inspiration aus, die mich zeitweise komplett in Tagträumen versinken lässt. Da sind Häuser, offene Fenster und Terrassen auf welchen Gärten wachsen, kleine Läden die Kunsthandwerk ausstellen und Märkte auf welchen man dicke, rote Tomaten kaufen kann. Doch da sind auch die Eisläden und deren tollen Eissorten, solche wie Ricotta-Pistacchio, deren Geschmack man sich später noch von den klebrigen Finger leckt. Die Sonne steht hoch am Himmel and all die schattigen Gassen und Ecken Venedigs machen mich dankbar, sowohl als auch die vielen Trinkwasserspender.

Mein Budget lässt kein Drei-Gänge-Menü zu in einem der tollen Restaurants, die die vielen Ufer säumen. Jedoch findet sich hier eine gute Alternative, die nicht nur lecker, sondern ebenfalls ihren ganz besonderen Charme hat: die gute, alte Osteria, eine Institution, welche vor allem kleine Speisen und Weine serviert. Ich mache es wie die Venezianer und lasse mir einen Teller mit verschieden belegten Cicchetti (kleine, geröstete Brotscheiben) schmecken, dazu ein Glas Aperol Spritz. Das ganze genießt man am besten an einem frühen Abend, am Kanal sitzend zwischen dutzenden anderen Leuten, die sich gesellig unterhalten.

Zu meinem Glück findet gerade die Biennale statt und ich lasse es mir natürlich nicht nehmen hierfür einen Tag zu investieren. Insgesamt verbringe ich sechs Stunden damit Videos zu schauen, Skulpturen zu begutachten, den interessanten Worten zu lauschen, Gemälde und Installationen zu bestaunen, sowohl als auch mal eine kurze Pause einzulegen um all die internationalen Besucher zu beobachten.

Einen weiteren Tag verbringe ich mit Bootsfahrten zu den drei sehr bekannten und umliegenden Inseln „Murano, Burano & Torcello“, doch daruber berichte ich einem anderen Beitrag.