Friedliche Stimmung in Bangkok

Feuchte Luft, geschwätzige Menschen, Essen an jeder Ecke, zu jeder Zeit und ein vom Regen erstrahlendes Grün der Pflanzen. Bangkok treibt seinen Handel mit den Menschen, die hier etwas Neues oder vielleicht auch Bekanntes suchen und ist dennoch charmant, aufregend und für mich der Start eines kleinen Abenteuers. Neben den touristischen Ecken und der berühmten Khao San Road haben meine Wege mich auch schon in Gassen geführt, die im Ansatz versprachen, was ich mir von der Reise erhoffe: Authentizität und das Gefühl in einer anderen Welt zu sein. Mit Händen und Füßen kommunizieren, auf Dinge zeigen, die man will und dennoch etwas anderes bekommen. Gefühlte zehnmal auf ein anderes Boot steigen, weil man immer wieder die richtige Haltestelle verpasst hat und stillschweigend einem Mönch folgen. In die falsche Richtung laufen und dafür belohnt werden. An jeder Ecke sitzen alte Frauen und Männer, die sich ihre Zeit mit Losen vertreiben und verschmitzt vor sich hin lachen, nett nicken und dabei an einer Zigarette ziehen. Der Regen kommt plötzlich und die Straße wird ein Meer aus Regenschirmen. Mein Weg führt uns in ein Gässchen, geradewegs auf das Flussufer des Mae Nam Chao Phraya. Wir befinden uns in einer versteckten Wohnsiedlung, die aus klitzekleinen Räumen besteht, in denen Menschen wohnen. Die Türen stehen weit offen und vor den Haustüren stehen Eimer gefüllt mit Schaum und Wasser zum Spülen des Geschirrs. In den Wohnungen stehen Fernseher, die lautstark die Nachbarschaft unterhalten.

Eine Mischung aus gegensätzlichen Gefühlen macht sich breit. Da ist Trostlosigkeit, Armut und dennoch Sorgenfreiheit und Unbeschwertheit. Vielleicht eine besondere Form des Gleichmuts, die einem buddhistischen Land nicht selten vorkommt. Für mich ist es ein Erlebnis, dem ich mit Bedacht begegne. Ein alter Mann kreuzt meinen Weg und entblößt mit einem breiten Grinsen seine wenigen noch vorhandenen Zähne. Er unterrichtet mich in einem überraschend guten Englisch darüber, dass ich hier (mal wieder) in die falsche Richtung laufe. Gegenüber der kleinen Behausungen schlängeln sich an einer alten Mauer beeindruckende große Wurzeln mehrerer Bäume entlang. Fast scheint es wie ein Gleichnis. Auf der einen Seite Familien, die auf engstem Raum miteinander leben und auf der anderen Seite große, dickstämmige Bäume, deren Wurzeln ineinander verschlungen den Zusammenhalt widerspiegeln. Vielleicht ist es das, was alles so friedlich erscheinen lässt.

Die Abende hier sind laut und alles auf und um der Khao San Road herum scheint wie ein Massentreffen partywütiger Touristen. Dennoch ist es ein ganz lustiges Erlebnis, inmitten der Geschehnisse ein Singha oder wahlweise Chang Bier zu trinken und sich zu fragen, ob hier nicht vielleicht alle verrückt geworden sind. Geht man ein paar Schritte, trifft man in regelmäßigen Abständen Verkäufer die Skorpione anbieten, welche wie ein Lolli auf Holzspießen stecken. Überhaupt ist man umgeben von Spießen. Fleisch, Fisch, Tofu, Obst und Gemüse, alles wartet aufgespießt darauf, verzehrt zu werden.

Einen Tag meines Aufenthaltes verbringe ich in den Tempeln, welche ich schon von weitem deutlich erkennen kann. Große, prunkvolle und reich verzierte architektonische Wunder, die in die Höhe schießen und mit all ihren Mosaiken jedes Lichtlein reflektieren. Immer wieder begegnet man Schulklassen, die uniformiert und kichernd ein Stück ihrer Heimat kennenlernen sollen. Nach ein paar Tagen in Bangkok und dem Auskurieren des Jetlags mache ich mich auf den Weg nach Chiang Mai.

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