Kunsthaus Zürich

„Ole geht ins Museum“, sagte seine Mutter in dem gleichen Tonfall als würde sie verkünden, ihren Sohn hätte gerade eine tödliche Seuche erwischt. Schockstarre – kalter Schweiß – Drama – kann die Familie das auffangen? So kommt es vor, dass man mit einer Künstlerin als Freundin einen neuen Zugang zu Orten findet, die man in Kindheitstagen als „dunkle, bedrückende Stätten vergangener Tage, zu denen man nur an den schlimmsten Regentagen geht“ abgespeichert hatte – Museen. Nach einem kleinen Snack am Bellevueplatz, machten wir uns auf zum Kunsthaus Zürich und den Klassikern der Kunstgeschichte.

Das Museum präsentiert nämlich Werke vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Es besitzt die größte Munch Sammlung außerhalb Norwegens und die umfangreichste Werksammlung Giacomettis. Ein großes Gewicht liegt auch auf dem Impressionismus, dem Expressionismus sowie der Popart und der Moderne. Malerei von Monet, Picasso, Chagall, Hodler, Corinth, Rothko, Warhol, Rauschenberg, Twombly, Polke, Bacon und Baselitz werden hier ausgestellt. Auch die Schweizer Malerei des 19. Und 20. Jahrhunderts als auch Werke der regionalen Gegenwartskunst von Pipilotti Rist und des Künstler-Duos Peter Fischli und David Weiss kommen im Kunsthaus Zürich nicht zu kurz.

Unglaublich beeindruckend war eine der berühmtesten Videoarbeiten überhaupt von den Zürchern Fischli/Weiss „Der Lauf der Dinge“. David Weiss, 2012 verstorben, beschrieb ihr Werk als „Gleichzeitigkeit von Ironie und Ernsthaftigkeit“.

Überzeugt Euch selbst: Fischli/Weiss: Der Lauf der Dinge (1987 / 30 Min.)

Da ich mich als Künstlerin natürlich sehr für die Bildforschung interessiere, begeisterte mich die Malerei von Ferdinand Hodler, der 1853 in Bern geboren wurde und 1918 in Genf verstorben ist. Er ist mein Lieblingsmaler des 19. Jahrhunderts und ich war ganz begeistert die Malerei, die ich davor nur aus Katalogen kannte, einmal Live zu sehen. Was mich an ihm am meisten beeindruckt, ist die Art der Komposition und des bühnenartigen Aufstellung der Figuren. Besonders spannend daran finde ich, dass die Bildaufteilung immer nicht einer komplett harmonischen Komposition entspricht. Sie liegt eher immer knapp daneben. Darauf wäre ich nicht gekommen. So war ich zum Beispiel bei diesem Bild irritiert wieso über dem Kopf der Frau nicht noch 10cm Platz gelassen wurden – einfach genial.

Aber das ist nur mein sensibler, detailverliebter Blick, den ich jetzt auch nicht weiter den reiseinteressierten Shine Lesern zumuten muss.

Des Weiteren zeigte Zürcher Kunsthaus eine Arbeit des super gehypten, hippen Jungkünstlers Simon Denny. Wenn man sich für Gegenwartskunst interessiert, ist es schwer diesen Post Internet Artist, der für seine Generation steht, zu umgehen. Simon Denny wurde 1982 in Auckland, Neuseeland geboren und studierte an der Elam School of Fine Arts in Auckland sowie später an der Städelschule in Frankfurt am Main. 2015 wurden zwei seiner Arbeiten auf der Biennale in Venedig gezeigt. Er hatte Ausstellungen im MoMa PS1, New York, Portikus, Frankfurt, im Aspen Art Museum und eben auch im Kunsthaus Zürich. Er wird von den renommiertesten Galerien vertreten Petzel in New York und Galerie Buchholz die Räume in Berlin, New York und Köln haben. In der Arbeit von Simon Denny geht es um Widersprüche und die Entwicklung des heutigen medialisierten digitalen Zeitalters. Er arbeitet mit dem Informationsüberschuss, dem wir ausgeliefert sind, auf eine nicht wertende, distanzierte und kühle Art und Weise. Seine intermedialen Installationen gleichen oft Messeständen. Auch Simon Denny selbst, den ich durch einen Vortrag an der HFBK in Hamburg persönlich erleben konnte, entspricht mehr dem Bild eines erfolgreichen Jungunternehmers als unserem Klischeebild des Rotwein trinkenden, ins Atelier stolpernden, Eimer Farbe auf die Leinwand kippenden, verrückten Künstlers mit Pinsel hinter dem Ohr und rotem Schal.

Die Arbeit „Deep Sea Vaudeo“ von 2009, die bei Ole durch die abgeklärte und trockene Herangehensweise eher grausame Kindheitserinnerungen hervorrief, zeigte Bildschirme aus den unterschiedlichsten Zeiten, die Videos von Fischen im Aquarium abspielten. Die Sehnsucht nach ein paar echten Fischen im Meer machte sich breit.

Die Seuche überwunden, dem Tod von der Schippe gesprungen, fuhren wir weiter nach Nordspanien, wo Ole wieder zwei Wochen seinen gewohnten Wegen und seiner großen Leidenschaft dem Surfen nachgehen konnte.

Fotos & Infos: Kunsthaus Zürich

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