Marrakesch – Streetfood in einer Stadt in Terrakotta

Marrakesch, „The red city“ oder auch „Kech“ genannt, ist eine der meistbesuchten Städte in Marokko. In jüngster Zeit begegne ich relativ vielen Fotostrecken im Internet oder aber auch Artikeln, verfasst über Marrakesch und finde es zunehmend spannend, zu entdecken wie andere Menschen die Stadt in Wort und Foto verpacken. Mittlerweile bin ich das dritte Mal in Marokko und war sehr oft in Marrakesch, mal kürzer, mal länger. Wie jede sehr touristische Stadt findet sich hier eine Art Marktplatz auf dem es geschäftig zugeht, zuweilen unangenehm bevölkert von Touristen, Einheimischen, Senegalesen welche Sonnenbrillen und Uhren verkaufen, verschleierte Frauen, die mit Fotoalben herumwedeln, um ihre Henna Kunstwerke vorzuzeigen und last but not least die Schlangenbeschwörer. Hier wird bis in die frühen Morgenstunden getrommelt und auf marokkanische Art gefeiert.

Im Sommer herrscht in Marrakesch eine brütende Hitze und in der ganzen Stadt findet man Menschen, die sich vor ihren Gemüse- und Essensständen in eine schattige Ecke verdrücken und vor sich hin dösen. Alle anderen halten sich fit mit einem der frisch gepressten Säfte, die man überall bekommt. Besonders beliebt sind hier Avocadosäfte, die sich lecker mit verschiedenen Früchten, Milch oder aber getrockneten Früchten, wie z.B. Datteln und Nüssen kombinieren lassen. Dies ersetzt quasi eine Mahlzeit und ist super köstlich. Neben der Säfte werden in unzähligen Haushalten, in kleinen Straßenküchen, in Restaurants und auf der Straße dampfende Teekannen mit frischem Minztee serviert. Wer sich hier eine Tasse schmecken lassen möchte, sollte vorher wissen, dass die spaßige Bemerkung „Zucker mit Tee“ durchaus ernst zu nehmen ist, denn die Marokkaner lieben ihren Tee süß.

Wer in Marrakesch auf seine Kosten kommen will hat verschiedene Optionen sich in das „local life“ zu begeben oder auch in luxuriösen Riads zu residieren. Von zweiterem habe ich bisher nur gelesen, jedoch ersteres praktiziert. Dazu gehört auf jeden Fall sich durch das Angebot an „Streetfood“ zu schlemmen. Oben auf der Liste stehen Linsen und Bohnen, dazu ein fluffiges Brot, in Marokko „Batbout“ genannt, und scharfe Paste/Soße „Harissa“. Zumeist isst man mit den Fingern und Brot dient bei fast jeder Mahlzeit als eine Art Besteck. Eine weitere nordafrikanische Spezialität, die vor allem in Marokko sehr verbreitet ist, nennt sich „Harira“ und ist eine dickflüssige Suppe. Typische Einlage sind Kichererbsen, Linsen, Zwiebeln, Koriander, Petersilie und Rindfleisch. So ein Schälchen Suppe bekommt man auf der Straße für umgerechnet 20 Cent. Eine andere sehr bekannte und vor allem im Winter beliebte Suppe ist „Bissara“ – mein absoluter Favorit! Diese wird aus dicken, weißen und geschälten Bohnen zubereitet und mit Olivenöl und Kreuzkümmel serviert. Wer in einer kleinen Stube landet, die ausschließlich Bissara serviert, kommt sehr wahrscheinlich in den Genuss ein Schälchen mit tiefen Holzlöffeln zu schlemmen.

Für ein etwas stylischeres Ambiente, ungezwungenem Kulturaustausch plus wechselnder Events sorgt das Café Clock im Herzen der Marrakech Kasbah. Hier gibt es neben moderner marokkanischer Küche und leckerem Eiskaffee regelmäßig traditionelle Gnaoua Konzerte, Saharamusik, Storytelling-Abende und Workshops. Wer Lust hat, die Kunst der marokkanischen Küche zu erlernen ist jederzeit willkommen, sich an das Café Clock zu wenden und den Kochlöffel zu schwingen. Zwei weitere meiner liebsten Orte, die ich jedem empfehlen würde, sind zum einen der Jardin Majorelle und das Maison de la Photographie. Beides sind Orte an denen ich einen ganzen Tag verbringen kann, ohne mich zu langweilen. Im Jardin Majorelle findet man sich in einem botanischen Garten wieder, welcher nicht nur eine beeindruckende Anzahl an hochgewachsenen Kakteen zur Schau stellt, sondern gleichzeitig auch Gewächse fünf verschiedener Kontinente. Magisch macht den Garten jedoch die dominierende Farbe eines bestimmten Kobaltblautons. Angelegt wurde der Garten von Jacques Majorelle, ein bereits verstorbener Künstler aus Frankreich. Er etablierte diesen Blauton, welcher deshalb auch den Namen Majorelle-Blau trägt. Außerdem kaufte Yves-Saint-Laurent die Anlage 1980 auf und verbrachte einen nicht unwesentlichen Teil seiner letzten Lebensjahre in dem Garten und dem Haus. Das Maison de la Photographie hingegen ist eine private Stiftung und neben Ausstellungsort auch eine Art Archiv, denn es beherbergt eine schier unendliche Sammlung an Fotografien, Negativen und Postkarten aus Marokko. Alle aus den Jahren zwischen 1870 und 1960 stammend. Hier kann man sich nicht nur einen ausführlichen, visuellen Eindruck über das dokumentierte marokkanische Leben auf Farbe und schwarz-weiß verschaffen, sondern auch frische Säfte oder Espresso auf der schönen Dachterrasse zu sich nehmen.

Shine Tipp für Marrakesch, Marokko:

Marrakesch ist definitiv ein Ort den man auf seiner Marokko Reise besuchen und erleben sollte. Neben den pittoresken Fotomotiven versprüht die Stadt ein besonderes Flair, vor allem in den frühen Abendstunden. Jedoch sollte man ebenfalls auf eine Stadt vorbereitet sein, deren Haupteinnahmequelle der Tourismus ist. Dementsprechend anstrengend und unangenehm kann es sein, wenn man mal wieder um den Taxipreis feilschen muss oder aber einfach mal ungestört durch die Medina schlendern möchte. Das ist leider fast unmöglich!

Kommentieren