Mexiko

Ich erinnere mich noch genau, wie sie zu mir sagte: „Portugal ist wie Mexiko.“ Obwohl ich noch nie in Mexiko war, wusste ich direkt was sie meinte.
Portugal hat sich seitdem verändert. Es liegen viele Jahre, eine Europameisterschaft, eine Europäische Währungsunion und der Beginn von Billigfluglinien zwischen ihrem Satz und dem Tag, an dem ich diesen Text schreibe. Jedes mal wenn ich jetzt nach Portugal komme ist mehr und mehr davon verschwunden. Meist stehen nun irgendwelche Ferienhaus-Resorts für die wenigen gutverdienenden Portugiesen und vor allem ausländische Investoren an den Orten, an denen früher unser Mexiko war. Ich mag nicht beurteilen, ob das nun gut oder schlecht für das Land ist, denn mir ist durchaus bewusst, dass wir es auch Mexiko nannten, weil Portugal eines der ärmsten Länder Europas war und noch immer ist. Trotzdem finde ich es immer wieder schade, wenn ein Zug, der immer mit offenen Türen durch die Landschaft fuhr, durch ein klimatisiertes Standardmodel ersetzt wurde, Schallschutzwände einem die Weitsicht nehmen und die schwarzgekleideten portugiesischen alten Männer nicht mehr draußen im Schatten, sondern in abgedunkelten Zimmern vorm TV sitzen.

Naja, noch sind sie nicht ganz weg die Mexiko-Momente, von denen ich hier schreibe. Erst wenn sie nicht mehr auffindbar sind, fliege ich vielleicht wirklich mal nach Mexiko, um mir anzuschauen, ob es dort überhaupt so ist, wie ich es mir immer vorstelle.

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