Mollywood & ein Ausflug in die Atlas Berge

Schon bei meinem ersten Aufenthalt in Marokko wollte ich unbedingt in die Atlas Berge und nach Ouarzazate, um mir die in der Umgebung gelegene, zum UNESCO Weltkulturerbe gehörende Kasbah Aït-Ben-Haddou anzuschauen. Beim dritten Mal Marokko hat es dann endlich geklappt und sich durchaus gelohnt. Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich gerne erwähnen, dass meine dritte Reise nach Marokko zwei Monate andauerte und bis auf zwei Busfahrten ausschließlich per Anhalter stattfand. Das ist deshalb wichtig, weil organisierte Busfahrten oftmals effizientere und besser ausgebaute Wege einschlagen, wie zum Beispiel die Autobahn. Diese kostet Geld und wird von einigen Privatfahrern gerne umfahren um Geld zu sparen.

Wie sooft beim trampen passiert es häufig, dass Lastwagenfahrer freudig anhalten in der Hoffnung eine unendlich scheinende Fahrt mit der spontan hinzugekommenen Gesellschaft etwas erträglicher zu machen. Was folgt, sind oftmals Routen, die weitaus schöner und spektakulärer sind als eine Autobahn. Auf unserer Reise durch Marokko kommen wir in den Genuss einer ganzen Bandbreite von Fahrgestellen. Zweimal landen wir auf einem Dach eines Minibusses, welches eigentlich zum Transport von Gepäck dient. Alles was ich fühle ist die pure Abenteuerlust und eine gewisse Dankbarkeit, die Welt auf meine eigene Art und Weise erkunden zu dürfen.

Ouarzazate ist das sogenannte „Hollywood Marokkos“. Hier befinden sich die wichtigsten Filmstudios des Landes. Für berühmte Filme wurde hier Regie geführt. Die Umgebung, wie z.B. der Ksar Aït-Ben-Haddou, sowie umliegende Berge und Dörfer, bieten vor allem für historische Filme die perfekte Kulisse. Für passionierte Filmemacher und solche, die es werden wollen, bietet Ouarzazate ebenfalls ein Studium des „Cinema“. Am Ende unserer Zeit in Ouarzazate haben wir mit ein paar Filmstudenten Bekanntschaft geschlossen. Es ist interessant in eine Subkultur einzudringen, die sich eine kleine eigene Welt in ihrem Wohnzimmer erschafft, abseits von den kulturellen und religiösen Konventionen. Es wird diskutiert, reflektiert und mit Frustration über die Hürde politischer Grenzen gesprochen. Wie schwer es sein kann die Welt zu bereisen, wenn der Reisepass nicht die richtige Farbe hat. Davon können Marokkaner und viele andere Nationen ein Lied singen.

Das oben bereits erwähnte Aït-Ben-Haddou sieht von weitem wie eine Insel ohne Meer aus. Ein Dorf von unten nach oben, fast spiralförmig, auf eine ebene Spitze zulaufend. In der alten Kasbah leben noch 25 Familien und die meisten von ihnen betreiben kleine Souvenirgeschäfte, die sich auf den verschiedenen Höhen der Kasbah befinden. 1987 wurde der Komplex von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürt. Die alten Mauern dienten nicht nur einmal zur Kulisse in Filmproduktionen. Da Aït-Ben-Haddou am Fuße des Atlas liegt, folgt endlich unser kleiner Ausflug in die Berge des Atlas. Insgesamt verbringen wir drei Tage in dem Dorf Tidili und dieses Mal verläuft alles ein bisschen anders als geplant. Umgeben von Bergen fühle ich mich immer heimisch, obwohl ich umgeben von Mehrfamilienhäusern aufgewachsen bin und es nicht annähernd so etwas wie einen Berg in Sichtweite gab. Dennoch übt dieses Naturspektakel nicht nur eine immense Faszination in mir aus, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Das Gras wächst hoch, als würde es sich mit all seinen Fasern dem Himmel entgegenstrecken und wenn man genau hinschaut, sieht man an einigen Stellen kleine Köpfe darüber hinausragen, Kinder die gemeinsam ihre Tage in der Natur verbringen. Frauen mit Körben voller Stroh auf dem Rücken laufen langsam die kurvigen Pfade entlang und Busse beliefern die vereinzelten Häuser mit frischem Brot. Unser ursprünglicher Plan sollte uns noch tiefer in die Berge führen, doch dann begegnen wir Ibrahim. Ein Mann, der zwischen all den anderen heraussticht. Es ist vor allem seine vornehme Kleidung, die mich zwischen all den Menschen in Gewändern und Sandalen zum schmunzeln bringt. Mit festen, geraden Schritten kommt er schnurstracks auf uns zu und lädt uns auf einen Tee in seine kleine Werkstatt und Heim ein. Der Komplex misst kaum mehr als 20qm und dennoch ist hier so ziemlich alles untergebracht, was man zum Leben und Arbeiten braucht. Aus einem Tee werden zwei gemeinsame Tage, die sich so fröhlich und unerwartet gestalten, dass ich sie sicherlich niemals vergessen werde. Ich wünsche allen, die es einmal hierher verschlagen sollte, Ibrahim über den Weg zu laufen.

Doch auch nach Tidili warten wunderschön gelegene Bergdörfer auf Reisende. Menschen die auf Dächern sitzen, dösen, kleine Kinder die sich an den Händen haltend die Piste entlang rennen, Männer, die Kaktusfrüchte ernten und Frauen, die ihre Babies stillen. Sobald man durch ein Dorf fährt, ist es als würde man den gesamten Alltag der wenigen Menschen die dort leben, während weniger Sekunden vor Augen geführt bekommen. Die spektakuläre Berglandschaft als Kulisse und wir auf dem Dach eines Kleinbusses sitzend, höre ich hin- und her schaukelnd nicht mehr mit dem lächeln auf. Ein beliebtes Ziel ist der „Lac d´ifni“, welchen wir aus verschiedenen Gründen nicht erreichen konnten. Die meisten wandern zu dem Bergsee, dafür bieten sich unterschiedliche Routen an, die alle auf ihre Art und Weise unvergesslich zu sein scheinen. Wandern im Atlas lohnt sich sehr und die Gastfreundschaft der in den Bergen lebenden Menschen macht eine Tour in das nordafrikanische Hochgebirge ebenfalls zu einem intensiven Kulturaustausch.

Unser Tipp für einen Ausflug in Marokkos Atlas Gebirge:

Wer ein wenig an Geschichte und traditioneller Architektur interessiert ist, wird einen Ausflug zum Ksar Aït-Ben-Haddou als Bereicherung empfinden! Ob nur für einen Ausflug, eine einfache Wanderung oder aber einen intensiven Trek bieten sich die Atlas Berge nicht nur wegen ihrer Schönheit an, sondern auch um den Menschen zu begegnen, die hier sehr abgelegen leben und für die nötige Authentizität bei einer Reise in ein anderes Land sorgen. Keine Berührungsängste!

Leckere Speisen dieses Trips ins Atlas Gebirge folgen.

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