Von kotzenden Bären und geschulterten Einhörnern

Manchmal muss man nicht weit reisen, um weit zu reisen und sich in eine fremde Welt zu begeben. Es kann reichen im Besitz eines drei Tage Festival Tickets zu sein und sich einzulassen, auf einen in sich geschlossenen Mikrokosmos mit Dixie Toiletten und geschulterten Einhörnern.

Meine Festival Erfahrung ist bisher sehr beschränkt. Um ehrlich zu sein, bin ich ein absoluter Festival Neuling. Nicht unbedingt, weil mir die Zusammenkunft betrunkener Teens, Twens und drüber mit mehr oder minder bekannter Musikgruppen nicht zusagen würde, es hat sich vielmehr einfach nicht so ergeben. Umso mehr freute ich mich darüber, drei Tage auf dem MS Dockville Festival zu stöbern und einzufangen, was sich vor meine Linse abspielen würde.

Drei Tage das gleiche Festival – Drei Tage so verschieden wie Bud Spencer und Terence Hill. Alles donnert und glitzert und bewegt sich abseits der Norm. Man huscht von Bühne zu Bühne um so viel Musik zu hören, wie in die eigenen Ohren hineingeht, man tanzt im Sonnenuntergang oder im Regen und stellt fest, dass zuckende Männer in Bärenkostümen sehr wohl eine Gefahr darstellen können. Zumindest für die eigenen Schuhe, wenn das im Körper mitgebrachte Bier dem Geländeboden entgegenstrebt. Zum Glück gibt es Gummistiefel! Von denen ich schlauer Fuchs wusste, dass sie ein absolutes Festival Muss sind.

Ich machte Bekanntschaft mit Clowns und Hasen, mit mehr Glitter als Mariah Carey sich wünschen könnte und Tetra Paks voll harten Mischen, die von wunderschöneren Festivalisten an Klebestreifen vom Körper hingen. Von allen, die in ihrem Leben auf mehr als einem Festival gewesen sind (also vermutlich von 99% aller 20-40jährigen) ernte ich für meine Beobachtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein mildes, wissendes Lächeln. Aber mich versetzte die fremde Zauberwelt in Staunen und erschuf das Bedürfnis, etwas von der losgelösten Atmosphäre aus kindlicher Glückseligkeit gepaart mit dem Rausch verschiedenster Hilfsmittel, einzufangen. Schwierig, ja, aber nicht unmöglich:

Bilder&Text: Lena Jacobsen

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