Roadtrip: Levanto, Italien

„Péage, péage, leckt mich am Arsch“ dachte ich an jeder Mautstation, an der ich einen weiteren Euroschein in einen wegrationalisierten Arbeitsplatz schob. Zwei Tage zuvor hatte ich bei meinem Besuch im lebhaften Lacanau-Océan den Entschluss gefasst, in Richtung Levanto weiterzufahren.

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Die sommerlichen Temperaturen, der Piniengeruch, entspannte Ortschaften zur Nebensaison – nichts würde mich von meinem Plan abbringen weiter in die Normandie zu fahren. Wirklich, fast hätte ich mir die Normandie im April so schön geredet, dass ich tatsächlich dorthin gefahren wäre. Wäre, wäre … wäre da nicht noch … „das mit Italien, das schon den ganzen Trip ein wenig an meiner Abenteurer-Ehre kratzte. Ihr erinnert euch? Die ursprüngliche Idee dieses Roadtrips war es, nach Italien zum Surfen zu fahren.

Das war vor ca. zweieinhalb Wochen und ich erwischte mich immer wieder, wie ich in ruhigen Minuten die Wellenvorhersage für Ligurien abrief. Zuerst gab es nur eine leichte Tendenz, dann verdeutlichte sich die Vorhersage. Als ich am Freitag in Carcans Plage abreiste waren 2,5-3m Wellenhöhe vorhergesagt, die sich, an Korsika vorbei, den Weg an die italienische Küste bahnen sollten. Das war es, wovon ich vor diesem Trip geträumt hatte. Da musste ich hin, Abenteurer-Ehre!

Der Weg führte mich von Bordeaux, über Toulouse, in Richtung Mittelmeer, wo sich die Autobahn entlang der Küste schlängelt. Vorbei an Saint-Tropez, Cannes, Nizza, einer Polizeikontrolle und Monaco. Kurz nach einem Tunnel, es wurde inzwischen dunkel, war ich plötzlich in Italien. Meine Fahrt endete auf einem Wohnmobilstellplatz in Levanto. Ich steckte 12 Euro in einen Automaten, schmunzelte noch kurz „Péage, péage, leckt mich am Arsch“ und schlief erschöpft ein.

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Nach Italien zum Surfen?levanto_ligurien_italien_roadtrip_4 levanto_ligurien_italien_roadtrip_5 levanto_ligurien_italien_roadtrip_3 levanto_ligurien_italien_roadtrip_6

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In Levanto blieb ich insgesamt sieben Nächte, zog es jedoch vor, auf den Campingplatz Aqua Dolce in Stadt- und Strandnähe zu ziehen (Tipp!). Ich erkundete die Stadt und die Umgebung, bis sich am Nachmittag des zweiten Tages das Wasser anfing zu bewegen. Abends surfte ich mit einem fetten Grinsen meine erste Welle im Mittelmeer und ich kam auch in den nächsten Tagen nur noch für Pizza, Espresso und Rotwein an Land. Am Ende waren es zwar keine 2,5-3m aber ein großer Spaß in herrlicher Kulisse, der von massiven Wellen am 1. Mai und hunderten italienischen, schweizerischen und deutschen Feiertags-Surfern in der Bucht von Levanto abgerundet werden sollte. Für den darauffolgenden Tag war dazu noch ablandiger Wind angesagt aber meine Zeit war vorbei. Zeit für mich nach Hause zu fahren!

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Ich blickte braungebrannt in die Augen einer blassen, deutschen Zöllnerin am Grenzübergang von Schaffhausen. „Wo kommen sie her?“, fragte sie und ich musste erst einmal überlegen.
„Aus Zürich!“
„Wie lange waren sie dort?“
„Einen Tag!“
„Wie bitte?“
„Einen Tag! Davor in Italien. Davor in Frankreich. Davor schon mal in Zürich.“
Zehn Stunden später – inzwischen blühten entlang der Autobahnen in Deutschland die Rapsfelder – endete dieser Roadtrip in Hamburg mit einem Parkplatz vor der Tür, einem Stapel ungeöffneter Post, einem gemachten Bett und einer Partie Frauen-Tischtennis im TV. China gegen China. Klick-klack … klick-klack …

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