Roadtrip: Hoddevik, Norwegen

Nach ca. zwölf Stunden und etlichen norwegischen Höhenmetern erreichte ich Hoddevik, eine kleine Bucht an der zerklüfteten, felsigen Westküste Norwegens. Es war bereits tiefste Nacht, als ich vorsichtig die engen Serpentinen herunter fuhr. Fast schon vergessen kam plötzlich meine Höhenangst wieder hoch. Man sah nichts aber mein Gefühl sagte mir, dass es neben der Straße wohl einige Meter bergab ginge. Im Tal angekommen wollte ich nur noch das Auto parken und schlafen. Die Fahrt war intensiv!

Der erstbeste und einzige Parkplatz den ich fand nannte sich Hoddevik Strand Camp und war genau was ich suchte. Lage direkt am Strand, Stromanschluss, Sanitäranlagen und mit ca 25 Euro pro Nacht bezahlbar. Ich war der einzige Gast auf dem Platz und schlief direkt ein. Am nächsten Morgen wachte ich, wie immer auf diesem Trip, mit dem ersten Tageslicht auf. (Das kommt da oben zur Zeit erst kurz nach acht Uhr, ist also kein Kunststück!) Der Blick aus dem Fenster machte auch ohne Brille eines direkt klar: Ich war genau am richtigen Ort! Schöner kann ein Strand nicht sein und besser kann man mit seinem Bus nicht stehen! Ich war angekommen und sprachlos, schon bevor die ersten Sonnenstrahlen hinter den Bergen hervorkamen.

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Ich regelte kurz die Formalitäten mit der Besitzerin des Campings und erkundete jeden Meter der Bucht, vom Hafen zu den Hängen links und rechts. Die Sonne schien, der Himmel war nahezu wolkenlos und das Meer war ruhig wie einer der vielen Bergseen, die ich auf der Fahrt passierte. Das war an diesem Tag egal!

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Am nächsten Morgen das gleiche Bild, derselbe Gang vom kleinen Hafen zum Berg auf der gegenüberliegenden Seite. Als ich dort so auf einem Felsen saß und das Panorama genoss, kam plötzlich Bewegung ins kühle Nass. Zuerst zogen kleine Linien an den Strand. Diese wurden über den Tag größer, bis sich am Nachmittag kopfhohe Wellen in die Bucht schoben. Ein langperiodischer Nordatlantik Swell mit ablandigem Wind verwandelte Hoddvik in Norwegen für mehrere Tage zu einem Surfspot der Extraklasse. Ich hatte gewusst, dass Wellen kommen würden – war u.a. dafür unterwegs – aber damit hatte ich nicht gerechnet!

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Warum es mich weiterzog?

Der Forecast sagte auch für die folgenden Tage perfekte Bedingungen zum Surfen voraus aber ich wollte mehr von Norwegen sehen als nur die eine Bucht und das Wetter wurde immer ungemütlicher. Mein Nachbar, der auch bei den apokalyptischsten Bedingungen eines nächtlichen Sturmes aus den Bergen mit einem Lächeln aus seinem Zelt stieg (es war Ende Oktober in Norwegen und ich hatte bei dem Sturm Angst, dass mein Bus umkippt!), hatte mir den Südwesten von Norwegen zum Surfen empfohlen. So ging ich, als es am schönsten war. Auf meinem Weg steuerte ich noch kurz eine Bucht in unmittelbarer Nähe an, wo der einzige Surfer im Wasser gerade durch Tunnels surfte. Ich war nicht einmal mehr überrascht.

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Als ich zurück zum Parkplatz kam holte eine Gruppe Jugendlicher gerade ihre Surfbretter aus der örtlichen Kirche(!?). Das fasste die vergangenen Tage ganz gut zusammen: Meine Zeit in Hoddevik war irgendwie göttlich!

Nächster Halt: Jæren, Norwegen

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