Sinn- und Zollfrei nach Dänemark

An dieser Stelle schlagen wir eines der sinnfreiesten Kapitel aller bisherigen SHINE-Reisen auf. Die Situation war irgendwie unbefriedigend. Viele Freunde und Familienmitglieder waren gerade im Urlaub und wir sitzen im stürmischen Hamburg, wo gerade der Herbst anbricht obwohl wir nicht einmal einen Sommer hatten. So hatten wir uns das Arbeiten an einem Reisemagazin eigentlich nicht vorgestellt. Aber „tja nu“, wie wir Norddeutschen zu sagen pflegen, haben wir uns bei Google Earth ein möglichst schnell und unkompliziert zu erreichendes Reiseziel gesucht, das wir noch nicht kannten. Die Überlegung, Fehmarns Nordspitze nicht als Ende der Welt zu betrachten und mit der Fähre überzusetzen, um sich die Ostsee mal von der anderen Seite anzusehen, schien ein guter Plan. Bei einer kleinen Seefahrt sollte doch irgendwie Urlaubsstimmung aufkommen!?
Als wir am nächsten Morgen nach 1,5 Std. Autofahrt am Fährterminal in Puttgarden ankamen folgte das Erwachen mit Schrecken. Nicht dass wir die ganze Fahrt geschlafen hätten aber der Fahrpreis von 81 EUR für eine Tageskarte war doch weit von den 30 EUR entfernt, die wir uns am Tag vorher per Internet herausgesucht hatten. Wo auch immer wir diesen Preis her hatten, er war nicht für eine Hin- und Rückfahrt nach Dänemark via Fehmarn.
Wir also unter den strengen Augen der anwesenden Grenzpolizisten den Rückwärtsgang eingelegt um die 15-Spurige Fähreinfahrt wieder zu verlassen und den Tag auf Fehmarn zu verbringen.
Schon nach 500 Metern hielten wir an, um noch einmal über die ganze Aktion nachzudenken. Etwas müde im Kopf und ohne Lust sich einzugestehen, dass das alles keinen Sinn macht, nahmen wir einen neuen Anlauf zur Fähreinfahrt. Selber Schalter, selber Service-Mitarbeiter und ein ungläubiges Lächeln bei allen Beteiligten (ausser den Grenzpolizisten). Schweren Herzens die 81 EUR bezahlt und der Anweisung „schnell aber nicht zu schnell zu Spur 5“ zu fahren gefolgt, legten wir schon kurz darauf ab und verliessen den Hafen von Puttgarden.
Die Fährfahrt hatte dann tatsächlich Kreuzfahrt Stimmung. Man traf sich auf dem Sonnendeck, obwohl eigentlich keine Sonne schien oder gab sein Geld für Zollfreie Waren und ungenießbares Essen aus. Eh wir uns versahen, waren wir nach 45 Minuten auch schon auf der dänischen Insel Lolland angekommen. Dort sah es eigentlich aus wie auf Fehmarn, nur mit den typisch dänischen Ferienhauskollonien und völlig ohne Menschen. Wir schienen irgendwie die einzigen gewesen zu sein, die den Südzipfel Dänemarks nicht nur als Zwischenstation sondern als Ziel hatten. So verbrachten wir einen einsamen Tag am Strand, liessen uns mal so richtig durchpusten und nahmen nach ein paar Stunden die Fähre zurück nach Deutschland. Fazit der Geschichte: Ein schöner Ausflug muss nicht immer Sinn machen. Aber wirklich empfehlen können wir das so nicht. Der Ausflug in Bildern:

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