Yogyakarta

Nach einem kurzen Zwischenstop in Jakarta und ein paar Tagen in Pangandaran führt mich meine Reise nach Yogyakarta. Hier herrscht eine andere Energie. Yogyakarta hat etwas aufstrebendes und rebellisches. Häuserwände, Mauern, Stromkästen und Barracken ziert Streetart in verschiedensten Farben und Formen. Als Hochburg javanischer Kunst hat Yogya (Kurzform) einiges zu bieten. Die Resultate verschiedenster Handwerkskünste kann man überall bestaunen und bei Interesse unzählige Kurse machen, welche einem die jeweiligen Fertigkeiten näher bringen. Bei Einbruch der Dunkelheit eröffnen die berühmten „Warungs“ auf der Malioborostreet. Fast ist es als würde jemand eine Lichterkette anknipsen. Einheimische und Touristen nehmen Platz auf Matten und essen mit den Händen, wahlweise Nasi Goreng, Gado Gado oder Sate mit Reis. Einmal am Tag bricht der große Regen herein und verwandelt die engen Gangs in strömende Bäche.

Es ist ein Vergnügen, den kleinen Kindern dabei zuzuschauen wie sie sich gegenseitig nass spritzen, Fußball spielen und sich in den Pfützen wälzen. Da ist kein Missmut, sondern pure Freude über das kühle Nass, das da vom Himmel fällt. Fünf mal am Tag zerreißt die bebende Stimme eines Muezzins das Gewirr aus Stimmen und Verkehrsgeräuschen. Dann entsteht ein kurzer, magischer Moment, der vor allem in der Dunkelheit die Umgebung mystisch in die Nacht verwebt. Auch begegnet man verschiedensten Vogelarten und Vogelkäfigen. An jedem Häuschen hängen ein oder mehrere Käfige, welche kunstvoll geschnitzt und bemalt sind.

Die nächste Station auf meiner Reise durch Indonesien sollte Bali sein, welches ich in den darauffolgenden Tagen stolz auf einem Motorroller erkundete. Stolz deshalb, da ich vorher noch niemals auf einem Roller saß, geschweige denn Besitzerin eines Führerscheines bin. Dies kümmert auf Bali jedoch niemanden. Im Gegenteil, hier scheint es völlig normal zu sein im Alter von acht und jünger die Zündschlüssel zu drehen. Die Tage in Bali gehören überwiegend dem Meer. Ein Meer, das ich, betäubt von seiner Gewaltigkeit, meistens nur beobachte oder genau hinhöre, was es für Töne von sich gibt. Die Wellen an Balis Stränden sind gewaltig, überschäumend und einschüchternd. Wissend, dass Indonesien zu den beliebtesten Destinationen von Surfern zählt, verstehe ich nun voll und ganz was genau die ganzen Wellenreiter hierher verschlägt.

Von Ubud aus unternehmen wir ebenfalls eine Wanderung auf einen der berühmten, zu besteigenden Vulkane in Indonesien. Mitten in der Nacht machen wir uns auf den Weg den Mount Batur, einen aktiven Schichtvulkan, zu besteigen und folgen, mit noch verschlafenen Augen, den flinken Schritten unseres Wanderführers. Auf uns warten zwei, zum Teil sehr anstrengende Stunden, die mit einem Mal im Wasserdunst der luftigen Höhen wie ein Traum erscheinen. Vor uns stülpt die Sonne ihre ersten Strahlen über die seichten Wellen des Kratersees Danau Batur und beleuchtet mehr und mehr die wunderschöne Landschaft, die sich plötzlich zu erkennen gibt. Mit einem Becher heißem Tee atme ich all die Luft ein, die ich auf dem Weg nach oben zu verzweifelt aus mir herausgepresst habe um pünktlich den höchsten Punkt des Vulkanes zu erreichen.

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