Sonntags im Wald

Nur der frühe Vogel fängt den Pilz, hieß es für mich am Sonntag, als nach nur drei Stunden Schlaf der überaus nervigen Wellen Sound aus meinem Iphone bimmelte. In diesem Moment hasste ich mich für meine ungebremste Euphorie, sobald jemand eine Freizeit Aktivität äussert, die sich jenseits des gängigen Kaffee Trinkens befindet. Pilze sammeln? Normal, da bin ich dabei. Also raus aus dem Bett und rein in den Wald.

Wie wunderschön der Sachsenwald in Hamburg sein kann, zeigte sich bereits nach gefühlten drei Schritten. Mit jedem Atemzug wich ein wenig der Samstag Nacht aus dem Körper und machte Platz für Waldluft, Sonnenschein und federnden Moosboden unter den Füßen. Manch einer unser fröhlichen Wandertruppe ließ sich sogar beschwingt zu einem lustigen Fürzchen hinreissen – aber hey, war ja sonst keiner im Wald und gestern war spät ;)

Pilze finden ist gar nicht so leicht. Ich hab so intensiv den Waldboden mit meinen Augen abgegrast, ich glaube, ich habe vor lauter Anstrengung schon geschielt. Die überschäumende Freude über einen Pilz Fund allerdings, ist unbezahlbar. Sie lässt sich nicht einmal davon bremsen, dass eine Schnecke schneller war und schon die Hälfte des braunen Goldes vernascht hat, bevor man dass Taschenmesser zücken konnte, um die kleine Marone vorsichtig aus ihrem Moosbett zu schneiden. Diese Freude ähnelt der von Tom Hanks in Cast Away: Ich habe Feuer gemacht – ICH habe einen Pilz gefunden. Wie groß die Ausbeute im Endeffekt war, ist aus diesem Grund auch nebensächlich. Ein Sonntag im Wald ist auf jeden Fall ein Erlebnis.

Bilder: Martin Saß

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