Warum eigentlich Berlin?

Wer mich kennt, weiß es: Berlin ist auch nach vielen, vielen Reisen meine absolute Herzensstadt, mein zu Hause und auch ein bisschen meine Leidenschaft. Hier ist mir selten ein Weg zu weit, das Wetter zu schlecht oder ein Tag zu lang. Berlin hat es mir am Anfang nicht leicht gemacht und es hat ein paar Anläufe gebraucht, bis ich in diesem Großstadtbaum ein Nest gebaut habe. Was man in Berlin gut gebrauchen kann ist ein Fahrrad, Geduld, mindestens einen guten Freund und Aufgeschlossenheit. Natürlich gibt es noch viele andere nützliche Dinge oder Eigenschaften – allerdings sind es diese vier, die mir nun, nachdem ich seit knapp acht Jahren in der Hauptstadt lebe, als meine wichtigsten Helferlein erscheinen.

Ich werde nie müde in Berlin auf Entdeckungstour zu gehen, denn hier gibt es einfach immer etwas Neues zu sehen, zu tun, zu schmecken oder zu erleben. In Bezug darauf versuche ich das auf Berlin lastende Phänomen der Gentrifizierung nicht totzuschweigen, jedoch auch nicht zum Thema zu machen. Berlin hat immer noch seine gemütlichen Nischen, in welchen man genießend versinken kann.Wenn ich schreibe, mir sei kein Weg zu weit, dann meine ich damit, dass ich es liebe von einem Bezirk in den nächsten zu fahren oder zu laufen. Besonders spannend finde ich oftmals die Schnittstellen der Bereiche. Tatsächlich ist jeder Bezirk ein ganz für sich allein in dem Universum Berlin umherschweifender Planet. Jede alternative Stadtkarte, jeden Blog und sogar jeden Reiseführer, den man sich als Tourist zulegt, durchforste ich und freue mich wie ein Kind, wenn es etwas neues zu probieren oder anzuschauen gibt. Ganz besonders aufgeregt bin ich über Cafés und jede Art von Institution, die sich der Kulinarik widmet. Wenn es um Restaurants geht, zwinkert Berlin nur cool mit einem Auge, dreht sich um und sagt lässig: „Na dann komm mal mit …“.

Doch nicht nur was den Genuss von Essen und Trinken angeht, macht Berlin mich glücklich, sondern auch seine Theaterbühnen, Buchläden, Kneipen, Parks und Märkte. Als Student lassen sich vor allem Museen und Theater günstig besuchen, sodass ich mir dies oft zu nutzen mache, jedes Mal selig in den Abend hinausfahre und in aller Ruhe gesehene Bilder noch einmal abspiele oder mir Zeilen, die ich gehört habe, durch den Kopf gehen lasse.

Zu dem Tag gesellt sich die Nacht, die in Berlin ganz besonders berühmt ist, denn Clubkultur wird hier überdimensional groß geschrieben. Lange habe ich in einem Hostel gearbeitet, in dem ich nicht selten Gäste Berlin nur bei Nacht erleben gesehen habe. Auch was Festivals betrifft, kann Berlin sich sehen lassen. Im Sommer gibt es zahlreiche Open-Air Parties und auch im Umland finden sich kleine, mit Liebe organisierte Festivals, die meist zu elektronischer Musik zelebriert werden.

Obwohl Berlin eine riesige Großstadt ist, und so manch einer, genau aus diesem Grund, niemals in Berlin leben möchte, hat Berlin eine grüne Ader, die eifrig und kräftig schlägt. Mittlerweile findet sich in fast jedem Bezirk ein Gartenprojekt, welches liebevoll von der Nachbarschaft gepflegt und als „Urbangardening“ bezeichnet wird. Hier liegt der Fokus darauf, den Garten in die Stadt zu bringen und somit kleine, grüne Inseln zu schaffen, die für groß und klein nicht nur Abwechslung bringen sollen, sondern vielmehr wieder Nähe zur Natur herstellen möchte. Fragen wie: „Wie pflanze ich eigentlich ein Gemüsebeet an?“, werden hier nicht nur beantwortet, sondern direkt in die Tat umgesetzt. Meist kann man sich ein Stück Erde anmieten und sich seinen eigenen kleinen Garten in der Stadt anlegen.

Last but not least – liebe ich diese Stadt für ihre Improvisationskünste und für ihre Aufgeschlossenheit jedem gegenüber, auch für diejenigen, die sich in der Gesellschaft nicht wohlfühlen oder die unter speziellen Lebensbedingungen ein Leben zu gestalten versuchen, ist Berlin ein gutes Pflaster. Wer auch immer in die Hauptstadt reisen will, dem rate ich definitiv nicht davon ab die berühmten Sehenswürdigkeiten und die Clubwelt zu besuchen, aber ich rate davon ab, es ausschließlich darauf zu beschränken, denn Berlin hat so viel mehr zu bieten.

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